Sven Hedin war nicht nur Forscher, er war ein begeisterter Nationalsozialist und Hitler-Verehrer. In Steglitz-Zehlendorf wird er mit einer Straße und einem Platz bedacht. Sollte das nicht geändert werden?

Die Sven-Hedin-Straße führt nördlich des Mexikoplatzes quer durch das nördliche Zehlendorf bis zur Onkel-Tom-Straße. Es ist eine wichtige Verkehrsachse. Warum aber trägt die Straße den Namen eines bekannten Nazi-Verehrers?

Wer war Sven Hedin?

Sven Hedin war ein schwedischer Forscher und Entdecker des 20. Jahrhunderts. Er bereiste entfernte Gebiete und kartografierte sie. Seine teils waghalsigen Expeditionen führten ihn zur Jahrhundertwende nach Asien, wo er die weißen Flecken der Landkarten füllte. Er wurde geadelt, er hatte das Stimmrecht bei der Auswahl der Nobelpreisträger und war Mitglied der Leopoldina. Er wurde vom europäischen Adel hofiert und finanziert. Er erkundete China, Indien, Persien und das asiatische Hochgebirge.

Schon während seiner Expeditionen in die Wüsten war er wegen des Erfolgs recht skrupellos und ließ seine Belegschaft ohne Wasser zurück. Er machte Geschäfte mit der Kuomintang-Regierung in China, dessen brutales Regime durch die Diktatur von Mao Tse-Tung ersetzte wurde, und sympathisierte mit dem Nationalsozialismus.

Hedin, der Nazi-Bewunderer

Mit seinen monarchistischen Überzeugungen war er im Ersten Weltkrieg an der Seite des Deutschen Kaiserreichs und warnte vor der Demokratisierung – auch in Schweden. Vor allem aber war er überzeugter Nationalsozialist und traf Hitler mehrfach, den er einen “großen Mann” nannte. Dasselbe sah er in Mao Tse-tung.

Als “embedded” Autor war er mit der deutschen Armee im Zweiten Weltkrieg an der Front, worüber er Bücher schrieb. Er verteidigte Hitler noch nach dem Zweiten Weltkrieg, den er an anderer Stelle einen (quasi: ganzen) “Kerl” und den “Deutschesten aller Deutschen” nannte. Hitler, so Hedin, hätte Deutschland zu etwas gemacht. Hedin war während der Zeit des Nationalsozialismus mehrfach in Deutschland und traf Hitler.

Vor diesem Hintergrund ist noch zu erklären, dass er die Judenverfolgung kritisierte. Ein jüdischer Freund Hedins, Alfred Philippson, wurde als Druckmittel von den Nazis genutzt, seine Bücher deutschlandfreundlicher zu gestalten. Er half auch bei der Freilassung mancher Juden. Allerdings sah er in den Juden auch das Unglück Deutschlands und er wusste von den Deportationen jüdischer Menschen, an denen er auch aktiv beteiligt war.

Namensänderung der Sven-Hedin-Straße und des Platzes?

Noch heute ehren ein Straßen- und ein Parkname diesen Mann, der vielleicht viel für die Entdeckung der Welt leistete, aber auch ein willfähriger Gehilfe des NS-Regimes war. Ein Spiegel-Artikel von 1949 klärt das Bild dieses Mannes. Ich habe das Bezirksamt angefragt, ob es Pläne gebe, den Platz und die Straße anderweitig zu benennen.

Die erste Anfrage an einen Leiter des Straßenamts blieb unbeantwortet. Ich schrieb den Baustadtrat Urban Aykal an, der mir gewohnt schnell zurückschrieb. Allerdings mit dem Inhalt, dass er nicht zuständig sei. Man habe es an die zuständige Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) weitergeleitet. Doch Frau Richter-Kotowski äußerte sich nicht dazu. Sie war die Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf von 2016 bis zur letzten Wahl. Sie ist außerdem stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner CDU.

Ich finde, nach diesem Mann sollte keine Straße und kein Platz benannt sein. Wie kann man im Land der Täter diesem Mann eine solche Ehre zuteil werden lassen?

Wo befindet sich der Sven-Hedin-Platz?

  • Sven-Hedin-Platz
  • Sven-Hedin-Straße 47
  • 14163 Berlin-Zehlendorf

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