Die Kirche am Stölpchensee ist die „Alte Kirche“ des Ortsteils Wannsee, der früher Stolpe hieß. Die Geschichte der Ortsteile Wannsee-Stolpe, Colonie Alsen sowie der Kirche.

Die Geschichte von Wannsee beginnt mit dem Ort Stolpe. Stolpe wurde auf Pfählen gebaut, woher sich auch der slawische Name herleitet. Stolp wird mit Pfosten/Pfahl übersetzt.

Slawische Besiedlung des Wannsees / Stolpe

Ab der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends nach unserer Zeitrechnung siedelten vermehrt Slawen im einstigen Gebiet der Suebi (heute: Schwaben). Die Slawen kamen ab 750 in diese Region und gründeten auch das Dorf Stolp, entweder als Sackgasse (wie Schönow) oder als Runddorf. Stolpe gehörte zum Herrschaftsbereich der Heveller mit Sitz in Brandenburg und Spandau. Die genaue Gründungszeit ist unbekannt – irgendwann zwischen 800 und 1000 n. Chr.

Mit der Kolonialisierung um 1200 kamen auch deutsche Siedler nach Stolpe. 1299 findet es sich als Slauicum stolp, also Slawisch-Stolpe im Codex diplomaticus Brandenburgensis als Lehen des Markgrafen von Brandenburg an das Bistum Brandenburg. Im bekannten Landbuch Karls IV von 1375 wird der Ort als Stolpiken erwähnt. Das Anhängsel -iken ist eine mittelalterliche Schreibweise für Orte und meint sinngemäß: die Leute, Stolpiken: die Leute von Stolpe.

Dieses Landbuch weist Stolpe mit 16 Hufen recht klein aus. Zum Vergleich: Schenkenhorst hatte 25 Hufen Land. Ab 1450 erreichte das Fischerdorf diese Größe. 1576 hatten Stolpe mit Stahnsdorf und Neuendorf zusammengerechnet 50 Hufen Land.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es nur noch Kossäten, also Personen, die nur eine Hütte aber keine eigene Hufe Land hatten. Sie standen in der Hierarchie unter den Bauern. Erst 1795 bekamen sie das Land, das sie bewirtschafteten, rechtlich zugewiesen. Es war zu der Zeit, da ein Steinweg, die Chaussee, nach Stolpe gebaut wurde. Bei Meile 3 erreicht man den Ort. Das sind fast 23 Kilometer. Durch diese Anbindung an die Chaussee erfuhr das Dorf einen personellen Aufschwung, ähnlich der späteren Anbindung an die Eisenbahn.

Damit begann ab 1860 auch der Ausbau der Colonie Alsen, welche 1898 zusammen mit Stolpe, Kohlhasenbrück, Nikolskoe, Albrechts Teerofen und Steinstücken zu „Wannsee“ wurde, wohl auch um sich im Image des bekannteren Tourismusziels zu sonnen – aber die Namenswahl bevorzugte ebenso keinen Ort. Als Verwaltungsbezirk brauchte es auch ein Rathaus, das heute die Räumlichkeiten der Jugendfreizeiteinrichtung (JFE) Wannsee sind.

Colonie Alsen

Die Grundlage für die Colonie Alsen legte die Wannseebahn, also die Eisenbahnanbindung. Dafür setzte sich der spätere Villenerbauer zuerst ein. Der Name Colonie Alsen soll dem Schwager des Direktors der Berliner Handels-Gesellschaft, Wilhelm Conrad, eingefallen sein, denn der Landstrich am Wannsee erinnerte ihn an die Insel Alsen. Der Villengründer baute zunächst Mietvillen, aber ging bald in den Verkauf an vor allem Personen seines „Clubs von Berlin“ über. Zu den ersten Erwerbern gehörte der Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné, dessen Schüler Gustav Meyer den Bebauungsplan entwarf und der die Form des Hippodroms (Conradstraße / Am kleinen Wannsee) nachformte. Eine der ältesten Villen der Kolonie ist die Turmvilla Wild am Borussia Park gegenüber dem Bahnhof.

Weiter südlich lag der Heide-Park (Heidestraße) und eine Parkanlage mit Wasserturm, Löwenfigur und einem Löwensee am Heckeshorn. Diese Löwenfigur steht heute neben dem Haus der Wannsee-Konferenz. Der Löwe referiert auf den Flensburger Löwen und den Krieg mit Dänemark, den Preußen für sich entscheiden konnte. Auch die Insel Alsen war Schlachtfeld bei diesem Krieg. Das Original stand kurze Zeit in der Kadettenanstalt Lichterfelde, seit 2011 ist es wieder in Flensburg.

Alte Kirche am Stölpchensee

Zwar wurden mit der Übernahme Brandenburgs durch die Askanier – den späteren Markgrafen von Brandenburg – die Menschen christianisiert, aber eine Kirche stand in Stolpe anfangs wohl nicht.

Die wahrscheinlich erste Kirche entstand erst im 15. Jahrhundert – als Fachwerkbau errichtet, wie es ein Schreiben des Bischofs 1469 darlegt.

Nach etwa vier Jahrhunderten war das Gebäude nicht mehr zu retten und wurde abgerissen. Mit Subventionen des Kirchen- und Staatsoberhaupts, Friedrich Wilhelm IV, wurde die Kirche neu gebaut und 1859 geweiht.

Es entstand das heutige Bauwerk in gelben Back- und roten Ziersteinen im Stil des Neoromanismus. Den Entwurf erarbeitete unter Beratung mit dem König, der auch Patron war, Friedrich August Stüler. Die Patronage kostete zwar Geld, aber man konnte den Prediger aussuchen.

Aus der Erbauungszeit ist auch das Gros des Inventars, wie Altar, Kanzel und Orgel. Die Fensterrose entstammt dem Wunsch des Königs. Die älteren Gegenstände, wie die spätgotische Kruzifix-Gruppe kommt aus einer zerstörten Kirche aus Mitte.

Das Glockenspiel von 1930 ist mechanisch – das älteste Modell seiner Art, das noch im Einsatz ist. Zur Unterscheidung von anderen Kirchen wurde sie die „Alte Kirche“ genannt.

Bilder von Jochen Schulze Buschoff zur Kirche und dem Paradiesgarten

 

Bilder sind von Jochen Schulze Buschoff

Wo befindet sich die Alte Kirche am Stölpchensee?

Wilhelmplatz 1, 14109 Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert