Direkt am Teltowkanal, an der Grenze zwischen Brandenburg und Berlin, stand vielleicht vor 1.000 Jahren eine Burg der Slawen. Womöglich eine Burg im Grenzbereich zwischen den Hevellern und den Sprewanen.

Das Gelände war damals anders beschaffen als es heute der Fall ist. Es war ein breites Feuchtgebiet, das von der Bäke durchzogen war. Die Bäke ist heute nur noch an wenigen Stellen zu sehen, wie beispielsweise in Kleinmachnow. Den weitestgehenden Teil des Bäkeverlaufs nimmt heute der Teltowkanal ein. Dieser künstliche Wasserweg hat das Areal zwischen 1901 und 1906 buchstäblich umgekrempelt. Mit Menschenkraft trieb man den Kanal durch das Gelände, und der Aushub wurde zu den Seiten aufgetürmt.

Vermutliche Slawenburg am Teltowkanal

Dass dort eine Burg stand, ist heute vor allem aufgrund alter Karten zu ermitteln. Die Kanalarbeiten haben die ursprüngliche Anlage zerstört, die davor noch relativ gut erhalten war. Davon zeugte eine Untersuchung 1901. In der Form waren die Burgen meist gleich konstruiert und eine Rekonstruktion kann man in Raddusch begutachten. Die im Kreis angelegten Mauern bestanden aus einem Mix aus Holz und Erde.

Die vermutlichen Erbauenden, die Slawen, kamen im 4./5. Jahrhundert in diese Region, die von den germanischen Suebi (Schwaben) verlassen wurde. Ab dem 8./9. Jahrhundert bauten sie Burgen – aus Repräsentations- und Verteidigungsgründen.

Nachdem diese Region ab dem 13. Jahrhundert in den Besitz der Askanier überging und Kolonialisten aus vor allem den BeNeLux-Ländern kamen, verloren die Burgen ihre Funktion. Manch Wallanlage verfiel, andere wurden vermutlich auch geschliffen, um möglichen Eindringlingen die Schutzmöglichkeiten zu nehmen. Wichtige und strategisch gelegene Burgplätze wurden von den Deutschen übernommen und aus Stein neu errichtet.

Man kann also annehmen, dass es sich hierbei um eine vom Wasser umgebene, runde Burg aus Holz und Erde handelte. Diese Ringwall-Anlage lag vermutlich an der Grenze zwischen den Hevellern und Sprewanen. Und noch heute ist es die Grenze zwischen Kleinmachnow (Brandenburg) und Wannsee (Berlin), das vormals Stolpe hieß.

Wenn man Google Maps bemüht, zeichnet sich ein Halbkreis an der Stelle ab. Wie sehr dieser ursprünglich vorhanden war, ist unklar. Tatsächlich gab es im Auftrag der Herren von Hake aus Kleinmachnow eine archäologische Untersuchung kurz vor dem Bau des Teltowkanals. Deshalb geht der Heimatforscher Frank-Jürgen Seider (siehe „Das Teltower Land“ 2017/2018) davon aus, dass die Burg auf der Kleinmachnower Seite der Grenze lag. Damals vermaß man die Burg, die etwa 10 Meter hoch war und 45 Meter im Durchmesser hatte. Mehr Erkenntnisse brachte die damalige Begehung aber nicht, was auch an der „mangelhaften“ Untersuchung lag, um Seider zu zitieren.

Auf dem Gelände finden sich heute noch einige Graben und Wälle, allerdings könnten diese auch vom Kanalbau oder aus dem Zweiten Weltkrieg stammen. Auch die archäologische Begehung 1901 grub sich durch das Gelände – ohne Befund. Der Archäologe Götze ging tatsächlich von einer natürlichen Begebenheit aus.

Wo stand die Burg einst?

Wo genau die Burganlage stand, ist heute nicht mehr zu rekonstruieren. Die Karten geben nur einen ungefähren Punkt an – ohne genaue Koordinaten.

Die Lage der Burg hatte zu der Zeit vermutlich einen geostrategischen Charakter. Die Burg könnte an einem Wegekreuz gestanden haben, wo sich die Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen kreuzten. Seider verortet dort einen möglichen Übergang über die Bäke.

Die Burg stand auf festem Untergrund, sodass sie an dem Bäkeufer stand. Vielleicht wurde ein Graben um die Burg angelegt und mit Wasser aus der Bäke gefüllt. Die Position, so Seider, lag an der Grenze auf Kleinmachnower Seite. Eine Karte von Zimmermann von 1801 verweist jedoch auf das Gebiet von Wannsee.

KI Rekonstruktion der Burg am Teltowdamm
KI Rekonstruktion der Burg am Teltowdamm

Eine genaue Positionsbestimmung wie auch die Zeit der Erbauung bleiben daher verborgen.

  • GPS: 52.39682110575933, 13.15748594651504
  • 14109 Berlin-Wannsee
  • 14532 Kleinmachnow

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