Zehlendorfer Eiche
An der Kreuzung der Clayallee mit der Potsdamer Straße steht die Zehlendorfer Eiche mit ihrem ausladenden Wuchs. Sie markiert die Stelle des „historischen Winkels“, wozu auch die Alte Dorfkirche, das alte Schulhaus (wo heute das Heimatmuseum Zehlendorf untergebracht ist) und die sogenannte „Friedenseiche“ gehören.
Die Eiche als Symbolbaum hat Anleihen in der Antike. Sie galt in früheren Zeiten als Symbol des Lebens. Doch mit dem aufkommenden Nationalismus wurde sie zum Sinnbild deutschen Brauchtums und blickte von unzähligen Wappen deutscher Adeliger herab. Nicht zuletzt durch den Dichter Friedrich G. Klopstock avancierte die Eiche im 18. Jahrhundert zum Baum der Deutschen. Die Eiche galt als Metapher für den Freiheitswillen der Deutschen, für Stärke, Kraft und Stolz. Daher findet man die Eiche auch seit 1813 auf dem Eisernen Kreuz und noch heute sind die Dienstgrad-Abzeichen beim Militär mit dem Eichenlaub versehen. Das Eiserne Kreuz ist eine militärische Auszeichnung, die mit den Befreiungskriegen ihren Anfang nahm. Der Nationalsozialismus bediente sich ebenfalls dieser Symbolik.
Die Zehlendorfer Eiche ist eine Stieleiche, die 1871 gepflanzt wurde. Sie diente als sogenannte Friedenseiche der Erinnerung an den Sieg der deutschen Truppen im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 / 1871 in Sedan. Es war eine entscheidende Schlacht in einem Krieg, in dem die deutschen Truppen erstmals gemeinsam unter der Führung Preußens gegen Frankreich vorgingen. Nach der Schlacht von Sedan musste der französische Kaiser, Napoléon III, in Gefangenschaft. Mit dem Sieg von Sedan folgte bald der Sieg über Frankreich, was mit der Gründung des Deutschen Reichs im Spiegelsaal von Versailles gipfelte.
Vor dem Hintergrund des Siegs über Frankreich, der Vereinigung Deutschlands als Reich unter preußischer Führung, pflanzten Schüler die Eiche am 2. September 1871. Damals war das Alte Schulhaus noch als Schule in Gebrauch. Die Einweihungsrede hielt der Pfarrer Erst Stammer.
Seit 1940 ist der Baum ein Naturdenkmal, das anfänglich von einem Metallgitter umgeben war. Eine 1906 angebrachte Gedenktafel zeigt das Eiserne Kreuz im vergoldeten Eichenkranz. Dort stehen das Datum der Pflanzung und die Inschrift „Friedenseiche“.
Später war eine Sitzbank um die Eiche angebracht, die aber inzwischen nicht mehr vorhanden ist. Künftig wird ein Teil der versiegelten Fläche zugunsten des Baums entfernt.
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