Die Johanneskirche von Berlin-Schlachtensee markiert den Beginn des Ausbaus der Villenkolonie Schlachtensee.

Wer vom Mexikoplatz zum Schlachtensee fährt, kommt an der Johanneskirche am Heinrich-Albertz-Platz vorbei. Das evangelische Gotteshaus markiert den historischen Ausbau der Villen in dieser Gegend.

Anfänge der Siedlungen am Schlachtensee

Seit 2020 gibt es den Bezirk Schlachtensee in Steglitz-Zehlendorf, der aus Teilen von Zehlendorf und Nikolassee generiert wurde. Im Mittelalter gab es lediglich das Dorf Slatdorp auf der südlichen Seite des Schlachtensees. Im Jahr 1759 wurde das Gebiet mit der “Alten Fischerhütte” erschlossen, obwohl es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vor allem ländliches Gebiet mit viel Wald und Landwirtschaft war.

Erst mit der Wannseebahn, die 1874 gebaut wurde, regte sich hier die Bautätigkeit. Das lag vor allem auch daran, dass der Bahnhof Schlachtensee entstand. Ab 1894 begann man mit dem Bau der Villenkolonie im westlichen Teil des Bereichs. Damit eiferte man den Entwicklungen in Lichterfelde nach. Vier Jahre später fokussierte man sich auf den östlichen Teil, wo Häuser für den Mittelstand erbaut wurden. Schlachtensee wurde zu einem Teil von Zehlendorf.

Geschichte der Johanneskirche 

Mit der Bautätigkeit stieg auch die Bevölkerungszahl, sodass die bis dato existierenden Gotteshäuser nicht mehr ausreichten. Schlachtensee erhielt eine Pfarrei, die ab 1949 eine Selbstständigkeit erfuhr. Anfangs feierte man den Gottesdienst in einer alten Schule in der Eitel-Fritz-Straße. Ab 1909 entwickelte sich die Idee einer eigenen Kirche. Es war eine Kirche für 250 Personen geplant, die durch den Kirchenbauverein angedacht wurde.

Die Projektkosten beliefen sich auf 144.000 Mark, was nach heutiger Währung rund 900.000 Euro wären. Mehr als die Hälfte kostete die Kirche, das Grundstück wurde zur Hälfte von der Gemeinde Zehlendorf gestellt. Die hohe Summe wurde durch Spenden eingesammelt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten das Kirchendach und die Fenster gemacht werden, die durch die Kampfhandlungen beschädigt worden waren. Des Weiteren erfuhren die Orgel und die Inneneinrichtung eine Renovierung. In der Nachkriegszeit wurde das Gotteshaus dreimal grundlegend saniert oder umgebaut.

Baugeschichte und -Stil der Johanneskirche Schlachtensee

Die Johanneskirche wurde am 22. September 1912 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Der Bau des Architekten Georg Büttner verfügt über zwei Schiffe hinter einem verputzten Mauerwerk. Es entstand ein Mix aus Neoromanik und Moderne. Neoromanik oder Neuromanik ist Teil des sogenannten Historismus. Dabei eiferte man den früheren Baustilen nach. Romanik ist ein Mix aus römisch und germanisch, was zu der damaligen Zeit in einem nationalistischen Licht gesehen wurde.

Das Gemeindehaus und das Pfarrhaus sind nicht symmetrisch um den zentralen Turm angeordnet. Vier Fensterachsen zieren die Kirche. Der frei stehende Turm liegt neben dem Konfirmandensaal, woran sich das Pfarrhaus anschließt, und verfügt über keine Fenster. Das Pyramidendach ist abgesetzt vom viereckigen Turm, worin sich die Glocken befinden. Die ursprüngliche Farbgebung wurde bei den letzten Arbeiten um das Jahr 2000 wiederhergestellt.

Im Inneren der Saalkirche befindet sich eine halbrunde Apsis und die Schuke-Orgel von 1966. Die Taufkapelle war ursprünglich im Turm verortet. Im südlichen Innenbereich sieht man ein bemaltes Fries mit Psalmen. Die Original-Glocken wurde schon zum Ersten Weltkrieg und spätestens zum Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Allerdings findet sich in der Kirche die älteste Glocke Berlins, die Vaterunser-Glocke. Sie kam aus der Pauluskirche in Zehlendorf und wiegt 320 kg.

Heinrich-Albertz-Platz an der Johanneskirche Schlachtensee

Der vorgelagerte Grünstreifen ist nach dem Pastor und SPD-Politiker Heinrich Albertz benannt, der von 1974 bis 1979 Pfarrer der Kirche Schlachtensee war. Außerdem war er von 1966 bis 1967 der regierende Bürgermeister von Berlin und Chef der Senatskanzlei unter Willy Brandt. Darüber hinaus war er der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt. Als niedersächsischer Sozialminister widmete er sich auch den Geflüchteten im Nachkriegsdeutschland.

Kein gutes Zeugnis stellt ihm die Geschichte bezüglich des Besuchs des iranischen Schahs aus, mit dem er in der Oper war. Der Schah, Mohammed Reza Pahlavi, war ein brutaler Despot, der vom Westen eingesetzt wurde, damit das Land nicht dem Kommunismus anheimfällt. Denn es ging schon damals um Öl, das der Westen nicht dem Kommunismus überlassen wollte. Ein Großaufgebot der Polizei und vor allem Knüppelgarden des Schahs selbst gingen auf Albertz’ Befehl mit Schlagstöcken auf die vor allem studentischen Protestierenden vor. An jenem Abend starb auch Benno Ohnesorg, wozu Albertz tags drauf erklärte, die Schuld dafür trügen die Demonstrierenden. Er billigte und unterstützte die Polizei bei diesem brutalen Vorgehen. Pastor in Schlachtensee wurde er danach.

In den 1980ern war er in der Friedensbewegung aktiv und protestierte zusammen mit Oskar Lafontaine und Heinrich Böll vor einem US-Militärdepot, wo Pershing II Raketen stationiert werden sollten. Er erhielt eine Auszeichnung der Villa Ichon. Er starb 1993 in Bremen.

Wo befindet sich die Johanneskirche Schlachtensee?

  • Matterhornstraße 37-39
  • 14129 Berlin-Schlachtensee
  • GPS: 52.4377634166006, 13.219403516732987

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