Die Kaisereiche wurde 1879 zu Ehren von Wilhelm I gepflanzt. Über die Herkunft des Baums und dessen Bedeutung in der Zeit der „Sozialistengesetze“.
Im Jahr 1871 gründete sich das Deutsche Reich und Wilhelm I. wurde zum Deutschen Kaiser. In dieser Zeit vergrößerte sich das spätere Berlin enorm. Im Südwesten entstanden die Villenkolonien – so auch Friedenau. Die ersten Prachthäuser wurden verstreut über das Gebiet errichtet. Ein neuer Einwohner von Friedenau, Gustav Schenk, stiftete den Baum.
Pflanzung der Kaisereiche
Im Jahr 1879 war die Bebauung in Friedenau eher ländlich gehalten, gleichwohl war der Platz schon damals ein wichtiges Verkehrskreuz. Auf dem halbkreisförmigen Straßenkreuz, es wurde als Rondell bezeichnet, wurde die Eiche am 22. März 1879 gesetzt. Der Anlass war der 82. Geburtstag des Kaisers Wilhelm I von Preußen.
Der Spender war Gustav Schenk, seines Zeichens Verleger der damaligen Königlich Geheimen Oberhofbuchdruckerei. Er bezog in dem Jahr eine Villa in Friedenau und organisierte den Baum aus der Baumschule Dreilinden.
Kaisereiche und Sozialistengesetze
Im Jahr vor der Pflanzung des Baums, 1878, gab es zwei Attentate auf den Monarchen Wilhelm I. Des Kaisers Mann fürs Grobe war Reichskanzler Otto von Bismarck. Der nahm die glücklosen Attentate zum Vorwand, das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie zu veranlassen. Keiner der Attentäter war Mitglied der damaligen SPD. Der erste war ein Einzeltäter und der zweite litt unter einer Psychose.
Eine Hysterie, wie sie heute mit den Messerstechern umhergeht, erlaubte es Bismarck, den Reichstag aufzulösen und die Welle der Repression gegen die demokratischen Kräfte loszulassen. Die „Sozialistengesetze“ galten bis 1890.
Im Jahr 1883 gab es keine großen Proteste, aber offenbar doch einige Aktionen gegen die Unterdrückung der Demokratie. Die Kaisereiche fiel dem zum Opfer. Sie wurde so stark beschädigt, dass sie einging. So schrieb die Norddeutsche Allgemeine am 11.11.1883 über die Feierlichkeiten zum Luthertag am Vortag, dass man eine neue, kräftigere Eiche auf dem Rondell gepflanzt habe. Übrigens wurde an dem Tag, es war der 400. Geburtstag des Reformators, auch die Luther-Eiche bei der Matthäus-Kirche in Steglitz gepflanzt.
Der Platz, darauf verweist ein Vintage-Schild, heißt heute noch Kaisereiche. 2004 wurde die Idee der Kaisereiche 125 Jahre alt, der tatsächliche Baum stand dort ja erst 121 Jahre. Der Kaisernachfahre, Franz-Friedrich Prinz von Preußen, ließ das Schild anfertigen.
Wo ist die Kaisereiche?
- Saarstraße Ecke Rheinstraße
- 12161 Berlin
- GPS:52.46889194389645, 13.332796982101339
