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Tatarengraben: Geologie, Ökologie und Geschichte

Der Tatarengraben bzw. -fenn ist eine Geschichte der Eiszeit, des Torfabbaus, seltener Pflanzen und Tiere sowie der exotischen Tataren während der Napoleon-Kriege.

Im Düppel – jenseits des S-Bahn-Werks am Kleinen Wannsee – findet sich ein ökologisches Kleinod – der Tatarengraben. Wo die Tataren einst lagerten, finden sich heutzutage sogar die rot leuchtenden Bergmolche. Der Tatarengraben entwässert das Tatarenfenn. Das Wasser fließt aus dem Tatarenfenn über den Tatarengraben in den Kleinen Wannsee.  Zu sehen ist dort heute eine baumlose Senke mit viel Grün und manchmal steht dort auch das Wasser.

Geologie des Tatarenfenns

Auch dieses ehemalige Moorgewässer ist ein Überbleibsel des eiszeitlichen Gletschers, der vor rund 12.000 Jahren gänzlich geschmolzen war. Das Fenn entstand als Toteisloch – hier verblieb ein Teil des Gletschers und schmolz allmählich dahin. Der märkische Sand und die Sedimentreste dichteten den Boden ab, sodass das Wasser stehen blieb. Der Graben wurde angelegt, um das Wasser abzuleiten.

Ökologie des Tatarengrabens | Bergmolche in Berlin?

Der künstlich angelegte Graben beheimatet heute eine großartige Tier- und Pflanzenwelt. Es ist die Heimat von Berg- und Teichmolchen. Bei einer Zählung wurden vor allem Bergmolche vorgefunden, die man an der orangen Bauchseite erkennt. Warum diese aus Süddeutschland stammenden Tiere seit der Nachkriegszeit hier leben, ist nicht geklärt.

Selbstverständlich finden sich auch andere Amphibien und Insekten hier, die das Wasser brauchen. Ringelnattern und Waldeidechsen mögen derlei Gelände als Jagdrevier und der nährstoffarme Boden ist ein geeignetes Substrat für Moose, Drachenwurz, Sumpf-Blutaugen oder Seggenarten.

Entstehung des Tatarengrabens

Das wegen der Toteislochsituation sauerstoffarme Wasser ließ Torf entstehen. Um diesen abzubauen, musste das Gelände entwässert werden. Der Graben wurde Ende des 18. Jahrhunderts angelegt und im 19. Jahrhundert vertieft. Bis in die Gegenwart dient der Graben der Entwässerung: Die S-Bahn leitet das Regenwasser in den Graben ein. Schließlich verlaufen die S-Bahn-Schienen quer durch das Tatarenfenn.

Wieso eigentlich Tataren?

Den Tataren sind mehrere Völker vor allem aus dem Ural- und Wolgaraum zuzuordnen. Sie kämpften im Dienst der russischen Armee, die mit Preußen verbündet gegen Napoleons Frankreich kämpfte. Diesen sogenannten Befreiungskriegen wird in unserer Region noch recht häufig gedacht.

Die Tataren trugen keine europäische Uniform, sondern ihre traditionelle Tracht mit Pelzmütze. Sie nutzten auch weniger das Gewehr, sondern kämpften zuvorderst mit Pfeil und Bogen. Dadurch wurden sie oft unterschätzt, denn ihre Taktik bestand aus Überfallangriffen und schnellem Rückzug.

Womöglich bestand ihr Auftrag darin, den Königsweg abzusichern. Ihre Vorgehensweise ist geeignet, um schnell und leise zuzuschlagen. Vielleicht dienten sie auch der Aufklärung? Warum sie genau dort lagerten, war vielleicht dem wasserreichen Terrain geschuldet, das es erlaubte, die Pferde zu tränken.

Vermutlich beeindruckten die exotischen Reiter die preußischen Landsleute von 1813 so sehr, dass sie dem Fenn den Namen „Tatarenfenn“ gaben.

Wo befindet sich das Tatarenfenn?

Direkt hinter dem S-Bahn-Werk Wannsee. Die S-Bahn-Schienen muss man über die Potsdamer Chaussee oder die Unterführung auf dem Teerofenweg vom kleinen Wannsee kommend umgehen.

  • Düppeler Forst
  • 14109 Berlin-Wannsee
  • GPS: 52.41314910324109, 13.167999007348433

 

meister

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