Categories: NuthetalTeltow

Slawenburg und Deutsche Burg in Saarmund

Am Nordrand des Orts Saarmund lag einst eine bedeutende Burg – zuerst von den Slawen, später von den Deutschen.

Wo ab dem 9. Jahrhundert eine slawische Burg stand, wurde ab dem 12. Jahrhundert eine deutsche Burg darüber gebaut, was der strategischen Lage geschuldet war. Die Wege in früheren Tagen folgten den topografischen Gegebenheiten. Und in Saarmund befand sich eine der Furten über die Nuthe – hier war der Übergang also möglich. Zudem ist das Areal von Gewässern wie der Saar und sumpfigem Untergrund geschützt. Dieses Terrain erschwert einen Angriff enorm und wäre mit starken Verlusten verbunden.

Slawische Burg Saarmund

Außer den archäologischen Befunden gibt es keine schriftlichen Hinweise auf das Aussehen der Burg. Bis in die Gegenwart blieben nur noch versteckte Reste der einstigen Herrschaftsanlage erhalten. Vergeblich sucht das ungeübte Auge nach einem Indiz hinter den Bäumen und Mauern. Doch anhand der Funde anderer Burgen der Slawen aus der Zeit in Brandenburg, kann man gut abschätzen, wie diese Burg ausgesehen haben mag. Der slawische Begriff für eine Burg in Saarmund könnte übrigens „groźišćo“ gewesen sein.

Ab wann solche Burgen entstanden, ist nicht final geklärt. Nachweisbar sind sie ab dem 9. Jahrhundert. Manche Burgen existierten bereits in der Bronzezeit, die ab 2.200 v.u.Z. begann. Es gibt eine jungbronzezeitliche Burg bei Potsdam, die „Römerschanze“, die zwischen 1.500 v.u.Z. und 1.000 v.u.Z. errichtet und gesichert im 6. vorchristlichen Jahrhundert zerstört wurde. Damals lebte hier die Urnenfelder – konkret: Lausitzer Kultur. Das Land blieb lange recht dünn besiedelt. Erst ab dem 6. Jahrhundert v.u.Z wurde unsere Region durch die Germanen besiedelt – genauer den späteren Schwaben. Aber auch sie verließen das Gebiet ab dem vierten Jahrhundert und ziehen u.a. an den Bodensee. Erneut ist das Gebiet dünn besiedelt und wird von den Slawen ab dem 7. und 8. Jahrhundert wieder bevölkert.

Die slawischen Burgen dienten zunächst als Rückzugsort im Angriffsfall. Gleichsam waren sie, wie alle Herrschaftssitze, Ausdruck von Macht und Repräsentation – deren Bedeutung im Laufe der Zeit wuchs. Es waren die Zentren ihrer Zeit und so siedelten sich weitere Menschen an. Daraus entstanden Städte wie beispielsweise Spandau.

Die Burg bestand aus gestapelten Holzkästen, die mit Erde gefüllt waren. Dieser massive Wall war von einem Wassergraben umgeben. Die Erde des Grabens diente als Füllmaterial. Kasten auf Kasten, gefüllt mit Erde, reichte der Wall steil in die Höhe. Ganz oben schützte eine Palisade die patrouillierenden Wachleute.

Die Burg war auch eine Grenzburg. Während der slawischen Zeit war es eine Burg der Heveller, die sich zuweilen gegen die Sprewanen verteidigen mussten. Als die Heveller sich zugunsten der Askanier auflösten, war es eine Grenzburg der Deutschen.

Deutsche Burg Saarmund

Als die Askanier das Land der Heveller erbten, erbauten sie in Saarmund eine neue Burg – an der Stelle, an der die slawische Burg stand. Der Bau aus Holz und Erde wurde abgetragen und eine Burg aus Holz und Stein darauf errichtet. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1217.

Wann diese Burg gebaut wurde, ist unklar. Vermutlich, nachdem Albrecht der Bär ab dem 12. Jahrhundert die Gegend von den Hevellern übernahm. Wie schon zuvor war sie eine Grenzburg gegenüber den Sprewanen. Diese Funktion verlor die Burg ab 1157 – mit dem Sieg der Askanier über diesen slawischen Stamm.

Über ihr Aussehen ist wenig bekannt. Vermutlich in ovaler Form auf den Fundamenten der alten Burg errichtet, war sie zudem von Wasser geschützt. Zentral war das Haus des Verwalters des Markgrafen, der dort seine Räumlichkeiten hatte. Es bestand wohl aus Steinen und war quadratisch angelegt. Der Zugang zur Burg gelang vermutlich nur über eine Zugbrücke.

Saarmund war in jenen Tagen ein bedeutender Ort – das Amt Saarmund war dafür ausschlaggebend. Durch den Zoll, den man für die Nutzung der Furt entrichten musste, war der Ort für den Markgrafen eine lukrative Einkommensquelle.

Der Burg letzte Erwähnung findet sich 1349. Sie wurde vermutlich ab dem 15. Jahrhundert aufgegeben. Der Bau von Brücken erübrigte die Furt und Saarmund verlor an Bedeutung.

Am Markt Saarmund

Bemerkung

Als ich auf der Suche nach der Burg einige Personen in dem bezaubernden Örtchen ansprach, schien kaum jemand davon zu wissen. Ein Mann schickte mich in Richtung Gröben, wo ebenfalls eine Burg stand. Gerade ältere Herrschaften versicherten mir, dass sie ihr ganzes Leben hier verbracht und nie etwas von einer Burg gehört hätten. Einige fragten, ob ich das Gutshaus meinte, was sich aber an anderer Stelle befindet. Tatsächlich findet sich am Eingang des Orts auf einem Stromkästchen ein gespraytes Abbild der Slawenburg samt Titel „Burg Saarmund“.

Wo befand sich die Burg Saarmund?

  • Am Markt
  • Saarmund
  • 14558 Nuthetal
  • GPS: 52.3223006163121, 13.128633364406388
meister

Recent Posts

Villa Folke Bernadotte Lichterfelde

Die Villa Folke Bernadotte war Zeitzeugin der Weltgeschichte im Großen und Kleinen. Das Haus ist…

1 Woche ago

Steglitzer Woche 2026 Programm

Auch in diesem Jahr verwandelt sich das Ufer des Teltowkanals wieder in eine bunte Festmeile,…

2 Wochen ago

Kirschblüten 2026 auf dem Mauerweg zwischen Lichterfelde und Teltow

Wenn es Ende April endlich warm wird, erfreuen uns die Kirschbäume mit ihrer Blütenpracht. Und…

2 Wochen ago

Sandgrube Grunewald | Stadtnatur im Jagen 86

Wo sich heute die Stadtnatur breitmacht, wurde einst ein wichtiges Baumaterial abgebaut: Sand. Es entstand…

4 Wochen ago

Fresdorfer Heide & der Windener Höhleneingang

Südlich von Saarmund, in der Fresdorfer Heide, soll eine Höhle liegen. Eine Höhle? Ein Google-Eintrag…

1 Monat ago

Stolpe also Wannsee und seine Kirche am Stölpchensee

Die Kirche am Stölpchensee ist die „Alte Kirche“ des Ortsteils Wannsee, der früher Stolpe hieß.…

1 Monat ago