Kurfürstendamm alias Ku’damm: vom Jagdweg zum Boulevard

Der Kudamm war schon immer ein teures Pflästerchen – vom Bau in der Renaissance bis zur Moderne.

Der Kurfürstendamm bezeichnet genau das, was er meint. Einen Damm, einen Weg, der ausschließlich dem Kurfürsten und seinem Gefolge diente – Bauern oder Kaufleuten war die Nutzung untersagt. Er wurde im Jahr 1542 für den brandenburgischen Kurfürsten gebaut, damit dieser von seinem Residenzschloss in Berlin zu seinem neuen Jagdschloss im heutigen Grunewald reiten konnte.

Das Gebiet zwischen dem Barnim und dem Teltow war Sumpfland. Um einen Weg durch das unwegsame Terrain zu bauen, verlegte man einen sogenannten Knüppeldamm. Dabei reiht man Baumstämme nebeneinander, um einen befestigten Weg im sumpfigen Terrain zu erhalten.

Der Herrscher ritt auf dem Weg zu seinem Vergnügen, der damals eine recht aufwändige, wenn auch technisch einfache Produktion war. Der Tiergarten als Jagdrevier war dem Kurfürsten, Joachim II, zu klein geworden.

Erstmals taucht der Weg auf einer Karte von 1685 auf – allerdings war es auch die erste Karte von Berlin und Umgebung. Damals verlief der Kudamm nicht auf seiner heutigen Route, der Knüppeldamm zog sich über den Olivaer Platz und über die heutige Konstanzer Straße bis zum Jagdschloss Grunewald.

Kurfürstendamm als Boulevard

Nach dem Krieg gegen Frankreich und der Reichsgründung 1871 setzte sich Otto von Bismarck dafür ein, dass der Kurfürstendamm zu einem Boulevard ausgebaut wurde. Das Vorbild dafür war ausgerechnet Paris. Preußisch exakt wurden Maße vorgegeben, darunter zehn Meter Fahrbahn und zehn Meter Promenade.

Auch damals war die Finanzierung ein Problem. Der Ausbau nahm mehrere Anläufe und gelang erst 1883. Es fand sich ein Bankenkonsortium, das als Gegenleistung ein Vorkaufsrecht auf die Villenkolonie im Grunewald erhielt. Drei Jahre später dampfte eine Bahn über die Prachtstraße.

Zu den Seiten der gepflasterten Straße schossen Häuser hoch. Einstige Häuser und Villen wurden abgerissen – nur einzelne Gebäude blieben stehen. Eines davon ist die extravagante Villa Grisebach in der Fasanenstraße.

Extravaganz war das Motto des Boulevards – es waren oft herrschaftliche Häuser mit einer überladenen Protzfassade. Schon vor dem Ersten Weltkrieg zog es vor allem die Intellektuellen und Kunstschaffenden in diese Gegend von Berlin. Große Namen zogen hier ein und mit ihnen kam auch die Unterhaltungsbranche.

In Halensee eröffnete 1904 ein Freizeitpark „Terrassen am Halensee“, der ab 1909 „Lunapark“ hieß. Es war auf dem damals neuesten Stand der Technik mit Erlebniswelten und einer Rolltreppe. Der Kudamm als Einkaufsmeile entwickelte sich auch um diese Zeit. 1907 startete das Kaufhaus des Westens.

Nazis, Krieg und Nachkriegszeit am Kurfürstendamm

Mit den Nazis kehrt auf dem Kudamm die Gewalt ein. Die brutalen Übergriffe beginnen bereits in den 1920er Jahren. Die Schlägertrupps der SA üben barbarische Gewalt aus. Die Leute, die am Kudamm lebten, gehörten zum Feindbild der Nazis.

Die Bomber der Alliierten verschonten den Boulevard nicht. Ab 1943 fiel die tödliche Fracht auf die Straße und sie wurde im Mai 1945 befreit. Danach waren 192 von 235 Häusern entlang des Boulevards zerstört. Doch die Kultur lebte neu auf. Am 1. Juni startete die Schaubühne als erstes Unterhaltungsprogramm und ab 1950 war mit dem Kaufhaus des Westens die Shoppingmeile eröffnet. Das Café Kranzler kam 1952 und es wurde zu einem Mekka für Kulturschaffende der Nachkriegszeit.

Ein besonderes Kapitel schrieb die zerbombte Gedächtniskirche. Über ihr Schicksal wurde heftig gestritten. Der Gewinner des diesbezüglichen Wettbewerbs wollte sie abreißen, wogegen sich eine Mehrheit fand, die es als Mahnmal stehen lassen wollte. 1961 wurde die Kirche geweiht.

Diese Zeit kennzeichnet den Kudamm als Aushängeschild des Westens gen Osten, vor allem nach dem Mauerbau. Diese schmerzvolle Trennung legte sich auf ganz West-Berlin wie der Schatten eines Damoklesschwerts. Damit wurde der Kudamm aber auch das Zentrum Berlins, das es erst in den 90er Jahren wieder verlor. In den 80ern wurde die Prachtstraße zum Schauplatz politischer Attentate und Mafia-Kriege im Bordellwesen. Auch die Stasi beobachtete das Treiben hier. Die Kino-Glamour-Zeit, die sich in der Zeit des Wirtschaftswunders etablierte, verschwand mit der Maueröffnung alsbald.

Übrigens feierte der Kurfürstendamm im Jahr 2011 sein 125-jähriges Bestehen.

Bilder des Kurfürstendamm von früher und heute

Alle Bilder sind von Jochen Schulze Buschoff

Wo befindet sich der Kurfürstendamm?

Vom Bahnhof Zoo bis Halensee führte der heutige Kurfürstendamm, der ursprünglich am Jagdschloss Grunewald endete.

  • 10707 Berlin Charlottenburg
  • 10711 Berlin Wilmersdorf
  • 10719 Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
  • 14193 Berlin Grunewald
meister

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