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Das bäuerliche Zehlendorf des 19. Jahrhunderts

Die Landgemeinde Zehlendorf war im Umbruch zur Gründerzeit eine landwirtschaftlich geprägte Siedlung.

Der heutige Bezirk Zehlendorf war über Jahrhunderte von den Mönchen verwaltet. Erst mit dem Königsweg, wenn der König von Berlin nach Potsdam reiste, erhielt Zehlendorf eine höhere Aufmerksamkeit. 1839 wurde die Eisenbahnverbindung fertig und 1920 wurde Zehlendorf an Groß-Berlin angeschlossen. Allmählich entstanden die bekannten Villen und Industriegebiete. Doch wie sah das ländliche Zehlendorf aus?

Zehlendorf als landwirtschaftliche Gemeinde

In Zehlendorf dominierten zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts große Bauernhöfe die Gegend. 13 Höfe umfassten 340 Morgan Ackerfläche, was 85 Hektar ausmachen. Ein Anteil gehörte dem Lehnschulzen. Jedoch war etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche mit dem typischen märkischen Sand versehen. Weizen konnte darauf nicht angebaut werden. Stattdessen wurde Gerste und Hafer angebaut. Auf dem Land zwischen der Potsdamer Straße und der Krummen Lanke / Schlachtensee wurde Roggen angebaut. Doch der Boden musste anschließen entweder drei, sechs oder sogar neun Jahre brach liegen, um sich zu erholen. Um mehr Nutzfläche zu erhalten, begann man 1780 damit, den Buschgraben zur Entwässerung zu ziehen. Im selben Jahr wurde auch die Rehwiese trockengelegt.

Das Dorf Schönow, heute der südliche Teil von Zehlendorf, begann in jenen Tagen direkt hinter dem Dorf Zehlendorf, dessen Ende die Mühlenstraße darstellte. Die Lage wurde, wie auch bei Dahlem oder Zehlendorf, planstabsmäßig angeordnet, und zwar dort, wo das Ackerland gut war. Derart wollte man die Wege kurz halten. Zehlendorf war eine Siedlung entlang einer Straße und die Häuser sammelten sich um einen Anger, wo meist der Teich und die Schmiede lagen.

Die Landwirtschaft unterlag bis zum 19. Jahrhundert der Dreifelderwirtschaft. Derart wurde ein Feld im Sommer (Gerste & Hafer) und eines im Winter (Roggen & Weizen) bestellt, während das dritte brach lag. In Zehlendorf unterteilte man qua Feldmark: das Dahlemsche, das Lichterfeldsche und das Machnowsche Feld. Hier hatten alle Bauern ihr Terrain, was zu einer Vereinzelung der Parzellen führte. Daher wurden konkrete Saat- und Erntezeiten vereinbart.

Mit der langen Roggen-Brache war die Dreifelderwirtschaft schwierig und hier gab es ab 1800 Abhilfe. Man baute Futterpflanzen an, die dem Boden Nährstoffe zuführten. Solche Futterpflanzen waren beispielsweise Rüben und die Rübenernte verhalf auch der Industrie zu einer höheren Produktion. Damit konnte man die Stallhaltung des Viehs verlängern und deren Exkremente als Dünger ausbringen. Die Brachen dienten auch als Viehweiden. Da die Flurstücke zu klein waren, wurde das Vieh aller Bauern gemeinsam auf die Weide getrieben. Dafür wurde ein Hirte angestellt, der auch die Tiere der Kossäten (Bauern ohne Ackerland) hütete. Allerdings nicht so viele, wie ein Bauer stellte.

Bis zum Wannsee zog sich die Zehlendorfer Gemeinheide. Der südliche Teil war die Quast, die heute im Straßennamen Quastheide weiterlebt. Hier gab es Wald, sodass hier vor allem Schweine gehütet wurden. Außerdem ergab der Wald Bauholz, welches vom Gemeindevorstand zugeteilt wurde.

meister

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  • Ein sehr informativer Beitrag.
    Leider fehlt auf dem Foto ein Hinweis zum Heimatverein Zehlendorf.
    Förderlich wäre auch ein Hinweis zu (be)greifbaren Exponaten im Alten Schulhaus (Heimatmuseum) ...

    • Vielen Dank für den Kommentar. Der Hinweis auf das Heimatmuseum ist dem Bild hinzugefügt. Leider wird dies vom Theme nicht unterstützt und daher nicht angezeigt. Es ist ein technischer Fehler, der sich aktuell nicht lösen lässt.

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