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Philippsthal (Nuthetal)

Die Geschichte des kleinen Orts Philippsthal, der seiner Bestimmung nicht nachkommen konnte.

Seide war seit seinem Bekanntwerden in Europa – im ersten Jahrhundert – ein begehrter Stoff. Lange war es aber in Europa nicht möglich, die Seide selbst herzustellen. Die Seidenraupen in Maulbeerbäumen waren auch in Europa ein gut gehütetes Geheimnis. Erst ab dem 17. Jahrhundert kam die Produktion nach Preußen, gefördert vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Die Migration von Hugenotten nach Preußen brachte das passende Know How ins Land.

Das Geheimnis der Seidenraupe ist, sie nistet in Maulbeerbäumen. Das Konzept ging auf und wurde auch unter den nachfolgenden Herrschern vorangetrieben, bis es zum Ende des 18. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte. Philippsthal im Nuthetal wurde auf diesem Zenit vor diesem Hintergrund gegründet.

Geschichte von Philippsthal

Auf dem Höhepunkt des Hypes um die Seide, ließ der preußische König, Friedrich der Große, 1754 den Ort Philippsthal ansiedeln. Der Blick von oben eröffnet die rechteckige Form des Orts, die seine Reißbrettherkunft verdeutlicht. Hier wollte der König im großen Stil Seide produzieren lassen. Diese Orte nennt man wegen ihrer zugedachten Textilproduktion Spinnerdörfer und der König ließ neun anlegen.

Die Gründung sollte der Kriegs- und Domänenrat Pfeiffer übernehmen. Er bekam den Job durch Bestechung und übte ihn mit Nepotismus aus, das das Schulzenamt betraf und was mit Materialveruntreuung einherging. Pfeiffer wurde letztlich wegen Korruption verurteilt.

Der Name Philippsthal soll eine Hommage an Philipp Wilhelm von Brandenburg-Schwedt (1669-1711) sein. Zur Gründung lebten 50 Familien dort. Da eine Familie damals etwa vier Personen umfasste, kann man von etwa 200 Personen sprechen. Diese Bevölkerungszahl hat sich in etwa gehalten. Die Familien lebten in Doppelhaushälften, wozu sie einen Morgen Land und eine Kuh nebst temporärer Abgabenfreiheit erhielten. Dafür sollten sie zwei Pfund Wolle pro Monat abliefern.

Der Plantagenherr, ein Feldpropst mit Namen Decker, bewohnte das Haus „Friedrichshuld“ am Ortseingang. Das Schulhaus brauchte noch etwas Zeit, es wurde erst 1902 fertig.

Keine Seide aus Philippsthal

Im Jahr 1801 gab es in Philippsthal Leinweber, aber keine Seide. Der Grund lag im brandenburgischen Klima, das den Maulbeerbäumen gar nicht zusagte. Keine Bäume, keine Seide – doch der Versuch dauerte aus rechtlichen Gründen bis 1816 an. Dennoch wuchs die Anzahl der Haushalte an. Es waren Schneider und andere Handwerker am Ort ansässig, vor allem aber ging man der Landwirtschaft nach.

Dorfkirche Philippsthal

Wie es mit der Schule war, so war es auch mit der Dorfkirche. Sie wurde zur Gründung 1754 versprochen und 1899 beschloss man dann einen Bau beim Zimmermeister Kuhlmey aus Gütergotz in Auftrag zu geben, der fünf Jahre später – 1904 – fertig wurde. Auch der Innenbereich wurde von Kuhlmey nach Plänen des Professors Laske aus Potsdam gefertigt. Die Empore war übrigens ein Geschenk des Baumeisters. Und der Altarteppich war ebenfalls ein Geschenk, allerdings aus jüngerer Zeit. Von der Kaiserin Auguste-Victoria kamen 1905 Leuchter und ein Kruzifix. Insgesamt zahlte der Kaiser etwa die Hälfte als oberster Kirchenherr.

Der Kanzelaltar, die Taufe und ein Kreuz, das eines Tages auf den Boden stürzte, wurde erneuert. Zuletzt wurde die Kirche 2003 restauriert und teilweise rekonstruiert.

Wo befindet sich die Kirche?

  • Dorfstr.
  • 14558 Nuthetal OT Philippsthal

meister

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