Vom Sichelmann über beispielsweise die Roggenmuhme oder die Pšezpolnicer bis zum Serp – die Legenden über die Dämonen in den Feldern und drum herum.
Die Korngeister oder auch Korndämonen lebten früher in weiten Teilen Brandenburgs und darüber hinaus. Sie hatten eine Besonderheit: Ihre Zeit war die Geisterstunde, nicht Mitternacht – sie zeigten sich um 12 Uhr am Mittag. Sie dienten dem Schutz der Felder, aber auch der Warnung vor der Arbeit in der prallen Sonne. Die Legenden sind neu verfasst und etwas modernisiert worden.
Der Sichelmann fragt Dich was!
Früher, so sagt man, tauchte um zwölf Uhr am Mittag ein gar grässlicher Mann auf den Feldern auf. Mit Entsetzen schaute man in sein Antlitz. Die Augen flammten auf. Er stand auf einem Pferde- und einem Kuhbein. Seine Finger wurden zu Krallen, die eine Sichel formten und womit er mühelos Korn und Baum kürzen konnte – daher sein Name: Sichelmann.
Wer dem Sichelmann begegnet, muss ihm Rede und Antwort stehen. Anfangs verwickelt er die Menschen in ein Gespräch, doch dann stellt er Fragen. Und wer die Antwort nicht kennt, verliert den Kopf.
Die Roggenmuhme geht um!
Wenn das Korn hochstand und die Sonne im Zenit unablässig herabbrannte, sodass in den Wiesen das Knistern leise zu hören war, dann ging die Roggenmuhme um. Sie schwebte unsichtbar über das Feld und hielt nach Kindern Ausschau, die Mohn- und Kornblumen am Feldrand sammelten. Sie lockte die Kinder in die Tiefen des Feldes. Immer weiter hinein, bis die Strohhalme den Kindern die Orientierung nahmen. Und dann brachen die Halme über den kleinen Köpfen zusammen. Ein Hitzewall lähmte sie und müde brachen sie zusammen. Die Stirne glühten und die kleinen Wangen brannen, während der Wind sanft über das Halmenmeer streifte. Deshalb sagt man den Kindern, sie sollen im heißen Juli nicht aufs Feld gehen.
Der Serp schneidet Dir den Hals ab!
Der Serp, sein slawischer Name bedeutet Sichel, gehörte zu den mörderischsten Korndämonen. Er hielt eine Sichel in der Hand. Über ihn wurde gemunkelt, dass er Kindern, die abends unter einem Eichenbaum eingeschlafen sind, den Hals abschnitt. Beobachtete der Serp Kinder, die auf dem Felde stehlen wollten, ereilte sie ein kopfloses Ende.
Waren die Kinder unartig, so drohte man ihnen, der Serp werde kommen. Kam man mit schmutzigen Füßen an, musste man die Fragen des Serpen beantworten. Aber wehe, man wusste nicht um die richtige Antwort, dann schnitt der Serp Dir die Füße ab. Übrigens war die richtige Antwort auf jede Frage: „Das Wasser ist teuer!“. Der Serp, so hörte man, war früher ein Wasserkönig.
Zuweilen durchfurchte der Serp die Äcker mit einer glühenden Sichel. Diese Sichel war auch das Letzte, was ein Mensch sah, wenn er ihm dabei begegnete. Es sei denn, man war frei von schlechtem Gewissen. Aber wer sich schuldig machte, der wurde enthauptet. Wenn er Vater und Kind antraf, warf der Serp es in den Fluss. Manchmal half er den Verirrten – wenn sie ein gutes Gewissen hatten. Die anderen schickte er in den Morast der Sümpfe, wo Bludnik auf die Gewissensbissigen wartete und sie im Moor ersäufte.
Der Serpel stand unvermittelt vor zwei Knaben, die Kornblumen am Feldrand sammelten. Der Serpel stellte beiden dieselbe Frage. Sie antworteten aber nicht dasselbe, weshalb er ihnen den Kopf abschnitt und in ein Fass steckte. Das Fass nahm er in eine Kiepe (Rückentragkorb) und verschwand. Zuweilen trägt der Serpel auch eine Sichel und ein Fass mit sich, um die Kinderköpfe zu sammeln.
Der Serpel wurde auf dem Feld zur Mittagsstunde gesehen. Er setzte sich zu Frauen und stellte ihnen Fragen. Konnte die Frau die Antwort nicht geben, musste sie sich ausziehen und so nach Hause gehen. Nur, wenn sie alle Fragen beantworten konnte, blieb sie unbehelligt.
Die Pšezpolnicer wechseln die Kinder aus!
Kinder, die zur Mittagsstunde aufs Feld gehen, konnten früher den Pšezpolnicer (Mittagsstündlerinnen) begegnen. Es sind weiße kleine Wesen, die nur zur Mittagshitze unterwegs sind. Sie nehmen die Kinder mit und legen ein fremdes Kind hin. Wenn die Eltern ihr Kind wieder haben wollen, müssen sie das fremde Kind so lange foltern, bis die Pšezpolnicer genug haben.
Sie alle wachen über das Getreide und die Felder, der Posserpańc wacht über die Hülsenfrüchte.
Quellen: PG und Wikisource
Und hier noch eine Geschichte mit ein bisschen Backgroundwissen:
