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Der Teltowkanal als Wetterscheide?

Hat der Teltowkanal Auswirkungen auf den Niederschlag in der Region? Fällt mehr Regen in Berlin oder in Brandenburg?

Immer wieder bemerke ich, dass es in Potsdam deutlich mehr regnet als in Zehlendorf. Schon in Teltow geht oftmals mehr Niederschlag als in Zehlendorf nieder. Oder sind das nur Einzelfälle, die keine Aussage auf das Regenverhältnis geben können? Ich habe Fachleute des Instituts für Weltraumwissenschaften und Meteorologie FB Mathematik und Informatik an der FU Berlin danach gefragt.

Unterschiedliche Regenmenge in Berlin und TKS?

„Hat es bei Euch auch so stark geregnet?“, wird in Zehlendorf zuweilen mit „Da kam kaum ein Tropfen herunter“ beantwortet. Und schon huscht man zum Gießen in den Garten oder auf den Balkon. Derweil gab es aber recht viel Regen in Teltow, Kleinmachnow oder in Stahnsdorf. Woran kann das liegen? Der erste Gedanke fällt auf den Teltowkanal. Ist der künstliche Fluss eine Wetterscheide? Hat der Teltowkanal einen Einfluss auf das Wetter zu beiden Seiten? Dazu haben viele Leute einige Ideen, also fragte ich beim meteorologischen Institut der Freien Universität zu Berlin nach.

Die Antwort auf die Frage, ob es sein kann, dass unterschiedliche Niederschlagsmengen zu beiden Seiten des Teltowkanals fallen, war: Das ist sicher möglich. Niederschlag, so die ausführliche Antwort von Dr. Martin Göber, geht meist in „eng begrenzten Gebieten“ nieder. Besonders deutlich wird dies, so Göber, bei Sommer-Gewittern.

Allerdings ist dies nicht zu verallgemeinern. Denn es gibt keinen Anlass für die Schlussfolgerung, dass es auf einer Seite des Kanals durchschnittlich mehr regnet als auf der anderen Seite. Dies schließt der Meteorologe aus.

Ist der Teltowkanal also keine Wetterscheide?

Dass es also in beispielsweise Teltow mehr regnet als in Zehlendorf, ist reiner Zufall und der Teltowkanal, so Göber, wirkt sich nicht auf den Regenfall aus. Der Einfluss des Kanals ist zu gering auf die Wolken. Die Energiemenge in den Wolken ist zu groß.

Dr. Göber von der FU Berlin erklärt es anhand eines Beispiels: Wenn sich eine Gewitterfront mit einem Durchmesser von zwei Kilometern mit 30 Stundenkilometern über den Kanal bewegt, dann sind die Abkühlungseffekte zu gering. Der rund 100 Meter breite Kanal beeinträchtigt die Wolken nicht, da diese der Abkühlung durch den Kanal nur etwa 5 Minuten ausgesetzt sind. Göber vergleicht den Vorgang mit der Handbewegung über einem Eisbecher. Man bemerkt zwar, dass es dort kälter ist, aber die Hand kühlt davon nicht ab. Einfluss auf den Regenfall haben eher Berge, die eine besondere Luftströmung verursachen.

Leider wurde meine Frage, ob die Bebauung Berlins einen Einfluss auf die Niederschlagsmenge hat, nicht beantwortet.

meister

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