Ratskeller Zehlendorf
Der ursprüngliche Ratskeller von Zehlendorf wurde zusammen mit dem Rathaus von Eduard Jobst Siedler entworfen, welches in den Jahren zwischen 1926 und 1929 gebaut wurde. Das heute nicht mehr zugängliche Untergeschoss begann als bürgernaher Treffpunkt und entwickelte sich zum kostengünstigen Schutzbunker im Kalten Krieg.
Zu Beginn diente der Ratskeller sowohl den Angestellten im Bezirksamt als auch den Zehlendorferinnen und Zehlendorfer als Gastbetrieb und schon bald als beliebte Tanzbar, wie über Lärm klagende Anwohnende der 30er Jahre berichteten, so die Recherche von Rainer Peterburs aus dem Heimatverein Zehlendorf (Ausgabe 1999). Darunter ein Trompetenblasen um drei Uhr in der Früh. Ein alter Speiseaufzug war wohl ebenfalls verstörend laut. Der Eingang befindet sich noch heute neben den Arkaden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Mauerbau im August 1961. In Berlin standen sich die beiden Systeme Auge in Auge gegenüber. Der Kalte Krieg traf das zur Insel geratene West-Berlin ebenfalls hart: Eingeschlossen und der Willkür der DDR-Zöllner ausgesetzt.
Es gab vielerlei hybride Angriffe zwischen Ost und West. Schon 1948 kam es zu organisierten Unruhen. Aus dem Westen verursachten die KgU oder die UfJ Chaos auf der anderen Seite des Eisernen Zauns.
Aus Sorge vor weiteren organisierten Übergriffen nach dem Mauerbau war erheblich und so gründete man Katastrophenstäbe, die die Verwaltung absichern sollten. So wurden Räumlichkeiten gesucht, wo man die abhörsicheren Leitungen und Einsatzkarten einrichten konnte. Es gab Unterkünfte und Vorräte für eine kurze Dauer.
In Zehlendorf kam man 1968 auf die Idee, den Ratskeller zu nutzen, der seine besten Tage damals hinter sich hatte. Dafür sollte der neue Ratskeller in den Räumen der Bauverwaltung einziehen. Das Rathaus wurde zu der Zeit ausgebaut und der Bauteil E bis 1971 errichtet.
Als die Mauer fiel, fiel auch die Aufgabe des geheimen Katastrophenschutzbunkers im alten Ratskeller weg. Andere Katastrophen schienen in den 90er Jahren nicht mehr in Aussicht, sodass der Keller zur Aktenverwahrung genutzt wird. Seine Funktion musste der Katastrophenraum nie unter Beweis stellen.
Der neue Ratskeller steht leer. Eine neuerliche Diskussion um einen Ratskeller muss warten, bis der Rathausneubau abgeschlossen ist.
Quelle: Walter Sylten: Geheimnisse im alten Zehlendorfer Ratskeller. Heimatverein Zehlendorf (Ausgaben 2002)
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