knüppelkrieg spandau 1567
Spandau gibt es schon viel länger als Berlin oder seine Keimzelle Cölln. So hatte Berlin nie eine Burg, Spandau aber schon. Spandau überwachte mit seiner Lage und seiner Festung (heute: Zitadelle) den Handel auf der Havel. Aber in Berlin lag das Stadtschloss des Kurfürsten.
Zur Volksbelustigung und vielleicht mit einem Hintergedanken sollten die beiden Städte mit Knüppeln aufeinander losgehen. Von der Kirchspitze Spandaus, der St. Nikolaikirche, hatte man einen guten Ausblick – zu gut für militärische Zwecke. Ein Geschütz an dieser Stelle könnte sogar die Festung gefährden. Außerdem war der Kurfürst ein bekannter Hedonist, der auch das Jagdschloss Grunewald erbauen ließ.
1567 ordnete der Kurfürst das Spaßmanöver an, bei dem Berlin gewinnen sollte. Bis zum Morgen des 8. Augusts wusste selbst der Bürgermeister Spandaus nichts von dem Lustgefecht. Bartholomäus Bier wurde an jenem Morgen in die Zitadelle einbestellt.
Joachim II von Brandenburg ließ die Spandauer und die Cöllner (Berliner) gegeneinander in kompletter Kriegsaufmachung antreten. Geplant war ein dreitägiges Spektakel zu Wasser und an Land. Um Verletzungen zu vermeiden, waren die Waffen keine Schwerter und Lanzen, sondern hölzerne Knüppel und Stangen – was die Namensfindung erklärt.
Am 8. August trafen unter den wachenden Augen des Kurfürsten zuerst die Boote der beiden Parteien auf der Malche (heute heißt dieser Teil der Havel Krienicke) aufeinander. Auf geschmückten Booten wurden die Gegner ins Wasser der Malche geschubst und anschließend wieder herausgefischt. Doch einen Sieger konnte der Kurfürst nicht ausmachen, sodass er befahl, das Gefecht an Land zu führen. Im Hintergrund donnerten die Kanonen, aber ohne eine Kugelabgabe. Man nahm wohl an, dass das dem Realismus diente, doch womöglich sollte das von einer ungeheuerlichen Tat des Kurfürsten ablenken.
Nordwestlich der Zitadelle Spandau landeten die Leute an und formierten sich für die Schlacht. Vermutlich zwischen Eiswerder und dem Spandauer Havelufer gingen sie aufeinander los. Der Kurfürst war siegessicher, denn die Cöllner waren fast doppelt so viele.
Dennoch gelang es den Spandauern, die Kurfürstlichen zurückzudrängen. Davon angestachelt, planten sie, die Cöllner (Berliner) in einen Hinterhalt zu locken, was ihnen glückte. Sie prügelten auf die Berliner ein, sodass diese flüchteten.
Der Kurfürst war not amused und ritt selbst ins Getümmel. Derweil ließ er die Kanonen mit Kugeln scharf machen und feuerte auf den Kirchturm der St. Nikolaikirche in Spandau, um deren Höhe zu mindern. Ob das ohne Kollateralschäden ausging, ist nicht bekannt.
Im Gewusel des Knüppel- oder Knittelkriegs wurde auch der Kurfürst von einem Spieß aus dem Sattel gehievt und fiel vom Pferd. Das war dem Herrscher eindeutig zu viel.
Das Fake-Manöver war – anders als angeordnet – zugunsten der Spandauer ausgegangen. Das war nicht nur ein Affront gegen den Kurfürsten, es unterminierte seine Autorität.
Dafür musste jemand bezahlen, und so wurde der Spandauer Bürgermeister, Bartholomäus Bier, trotz völliger Unkenntnis über das Manöver für dessen unzufriedenen Ausgang bestraft und saß mehrere Monate in der Festung Spandau ein.
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